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Drachensteine, Trackenstein, Dracontium



Mit dem Drachen wurden die verschiedensten Fossilien in Verbindung gebracht: Ammoniten, Haizähne, versteinerte Hirnkorallen. Die Knochen von Höhlenbären wurden oft als Drachenknochen gedeutet. Manche Höhle hat davon ihren Namen (z.B. das Drachenloch bei Vättis [Schweiz] oder die Drachenhöhle bei Mixnitz [Steiermark]).

Ammoniten wurden als Drachenstein in den Melkeimer gelegt, um Erkrankungen des Euters, aber auch Behexung des Viehs zu verhindern.

Eine andere Art von Drachenstein beschreibt KONRAD VON MEGENBERG in seinem "Buch der Natur" (1350):

Trachenstein / den nimpt mann auß eines trachenhirn / unnd zeucht mann in nit auß eins lebendigen trachenhirn / so ist er nit edel. Die künen mann schleichent über die trachen da sie liegen / und schlatzen in das hirn entzwey / und dieweil sie zabeln so ziehen sie im das hirn herauss. Man spricht der stein sei gut wider die vergifftent thier und widersteh dem vergifft trefftiglich. Die stein seind durchsichtig. Drachentoeter, 8 kb

Es handelt sich dabei zumeist um fossile Hirnkorallen, deren Oberfläche zahlreiche Windungen zeigt und somit einem Gehirn ähnlich ist.

Berühmtheit erlangte der Drachenstein vom Pilatus (Schweiz). Ein Bauer beobachtete an einem schwülen Sommertag im Jahre 1420 in der Gegend von Rothenburg bei Luzern einen vom Rigi zum Pilatus fliegenden Drachen. Vor Hitze und Gestank fiel er in Ohnmacht. Er fand daraufhin einen runden Stein, der in geronnenes Blut eingeschlossen war. Im Jahre 1509 wurde dieser Fund anläßlich eines Besitzerwechsels urkundlich festgehalten. Der Stein genoß als Heilmittel gegen Pestilenz, Ruhr und Blutfluß große Berühmtheit. Die Wunderkraft wurde im Jahre 1523 urkundlich bestätigt.

Der Stein ist heute im Natur-Museum Luzern ausgestellt. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Kieselkonkretion, die nachträglich bearbeitet und braun bemalt wurde, oder um eine gebrannte Tonkugel. Auffallend ist, daß die Bemalung Stellen leicht erhöhter Radioaktivität umschließt.


Quellen:

Abel O. (1939): Vorzeitliche Tierreste im Deutschen Mythus, Brauchtum und Volksglauben. - 304 S., Jena (Gustav Fischer).

Barmettler, L. (1986): Der Luzerner Drachenstein. - unveröff. Seminararbeit.

Lutz, A. (1956): Mondmilch und Drachenstein. Pharmazie- und Kulturhistorisches vom Pilatus. - Schweiz. Apotheker-Zeitung, 94, 750 - 758.

Rätsch, Ch. & Guhr, A. (1989): Lexikon der Zaubersteine aus ethnologischer Sicht. - 204 S., Graz (Akademische Druck- u. Verlagsanstalt).


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last update 22.09.1997